Spessart-Fahrt
März 2008
Von Mönchen, Kaisern und Handelsleuten ...
Im orangen Scheinwerferlicht hebt sich das Kloster vom Nachthimmel ab. Noch ein paar Dutzend Stufen, und wir stehen auf dem Plateau des Engelsberges am Main. Ursprünglich 1404 als "monte angelorum" erwähnt, 1630 von Kapuzinern gegründet und seit 1828 von den Franziskanern weitergeführt. Wir hören die Mönche im Inneren singen - und wandern in den nächtlichen Spessart hinein, auf der Suche nach einer trockenen Bleibe. Der Dauerregen der Woche hat den Wald in einen ordentlichen Schwamm verwandelt, es wird schwer werden, ein halbwegs geeignetes Plätzchen zu finden.
Den Pfaffenbrunnen, Brunnenhaus und alte Versorgungsleitung des Klosters seit 1755, haben wir in der Dunkelheit schnell gefunden. Leider zu schmal für uns drei. Und wegen des heftigen Rauschens auch keine wirklich gute Idee! Eine Waldlichtung, über Satellitenfoto ausfindig gemacht, erwies sich als Wildschweingebiet. Also doch hinauf zum "Hunnenstein". Nur auf der topographischen Satellitenzeichnung ist eine Hütte eingezeichnet; unsere Hoffnung - wir finden ein Rondell. Wir sind froh, im Dunkeln keine Kröten aufbauen zu müssen; im Rondell ist es halbwegs trocken, ein Jägerzaun schützt vor den Sauen. Wir genießen den Rest des Abends, singen ein paar neue Lieder und gedenken mit ein wenig Rotwein den zuhause Gebliebenen. Ein frugales Abendmahl aus Mitgebrachtem: Käse, Eiern, Fleischpflanzerln, Knäckebrot.
Am Samstag sind wir früh auf! Schnell ein paar Bissen Käse - Der frühe Wald dampft! Sonnenschein kündigt sich an. Es hat +1°C. Auf dem Eselsweg, einer uralten Handelsstraße, erreichen wir bald den Hunnenstein, ein kleines Felsenmeer mit einer steinernen, durch Verwitterung entstandenen Kanzel. Diese weist runde Bohrungen auf und soll in der La Tène Zeit eine wichtige Kultstätte gewesen sein. Seit dem Mittelalter zogen Fürsten und Kaiser über diese Handels- und Heerstraße, um ihre Pfalzen zu erreichen. Viehherden wurde entlanggetrieben und Kaufleute transportierten ihre Waren auf die Messen nach Frankfurt oder Nürnberg.
Eine kurze Rast gönnen wir uns an der Sohlhöhe. Das dortige Feuchtbiotop stammt noch aus Zeiten, als man die Hausschweine zur Mast in den Wald trieb, dort in kleinen Pferchen hielt. Die Schweinehirten wohnten in Hütten und bewachten den "Saustall", Einzäunungen aus Steinplatten. Das Biotop war eine Suhlstelle, welche auch heute noch gerne von den Wildsauen angenommen wird. Entsprechend sieht der Boden aus. Aus dem Blockhaus kann man nachts bestimmt beeindruckende Beobachtungen machen... Die Alteichen an der Suhlstelle sind Zeugen des "Schneitelbetriebs". Äste, in 2 m Höhe abgeschnitten, sorgten für schnell nachwachsendes Brennholz
Drei Hühnen- oder Hügelgräber aus der frühen Keltenzeit (La Tène) ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich und laden zu einem Abstecher ein. Sie wurden bereits im 19. Jhd. geplündert. Heute sind es kaum mehr als 3 Steinhaufen. An der Funkstation Geiersberg ein kurzer Plausch mit einem Forstmann über das "Woher und Wohin". Dann hinüber zum "Querberg". Zwischen Höhe 471 und 484 m finden wir ein sonniges Plätzchen für das Mittagsmahl: Wacholder-Bauchspeck und Knäckebrot, dazu kalter Tee vom Vortag. Heute müssen wir noch Wasser finden!
Den Eselsweg geht es weiter und östlich des "Hungerbrunnens" passiert das Desaster. Infolge einer Fehlinterpretation kommen wir vom Wege ab. Ein Jäger, der seinen entlaufenen Hund sucht, ist uns keine wirkliche Hilfe. Auch seine Ortsbestimmung ist falsch! Wir kommen wenigstens dort wieder heraus, wo wir hätten abbiegen sollen. Nun ist uns unsere Position wenigstens wieder klar. Oberhalb des "Hallenrain" laufen wir runter zum Brückenbrunnen und füllen am Bach unsere Wasservorräte auf. Nicht ohne eine Rast und ausgiebiger Wasserzufuhr. Nach einer halben Stunde geht's wieder weiter Richtung Fechenbach. Entlang des Bachverlaufes runter zur Kirche und dann Richtung Kollenburg, unser eigentliches Fahrtenziel.
Auf der Kollenburg wurde 1928 das erste "Schwarzzelt", die bündische Kohte, von der Schwäbischen Jungenschaft der deutschen Freischar aufgestellt. Unser ursprüngliches Vorhaben, an gleicher Stelle unsere eigene Kohte aufzustellen, konnten wir leider nicht realisieren. Biber musste unverhofft zuhause bleiben, so fehlte uns ein Kohtenblatt. Aus der Burg tönte uns das Jauchzen ausgelassener Mädchen entgegen. Ein familiärer Kindergeburtstag. Im Innenhof begrüßte uns das Elternpaar mit den Worten "Ahh, die Ablösung kommt ..." . Die freundlichen Leute entfachten für uns nochmals die Feuerstelle, wir bekamen Kuchen und Bratwürste angeboten. Natürlich wollte man alles von uns wissen: "Tiere einer längst vergangnen Zeit"!
Rasch dämmerte es und bald hatten wir die Ruine für uns alleine. Auf der Feuerstelle kochen wir Tee für den Abend und den Morgen, dann Nudeln mit Soße und den geschenkten Würstchen. Wir sitzen unterhalb des Pallas, an der Stelle, wo damals die Kohte gestanden hat. Ein paar Lieder werden angestimmt und der restliche Rotwein brüderlich geteilt. Am nachtschwarzen Himmel leuchtet der volle Mond und irgendwann legen wir uns im trockenen Gewölbe, dem ehemaligen Stall, zur Ruhe. Der herrliche Frühlingsmorgen lädt uns ein, die Burg zu durchstreifen.
Das große Areal hat viel zu bieten an Gewölben, Behausung, Säulen und Gesimsen. Wir nehmen uns die Zeit, mit der Kamera auf Entdeckung zu gehen. Doch bald verdunkeln Wolken den Himmel und wir beeilen uns mit dem Frühstück und der Packarbeit. Besuch bekommen wir von einem freundlichen Herrn. Er sorgt sich um die Sauberkeit und den Erhalt des Geländes. Angesichts der Glasscherben und anderen Unrats eine berechtigte Sorge. Ihm gefällt aber unsere Art und mein geschichtlicher Exkurs zur Kohte weckt lebhaftes Interesse. Früher einmal war er Georgspfadfinder. Zusammen trotten wir den Weg hinunter nach Fechenbach. Am Bahnhof, einer Holzhütte, warten wir auf den Zug. Es regnet sich langsam ein.
Von Miltenberg geht es dann zu Fuß wieder aufwärts und viele Stufen führen über die Maria-Hilf-Kapelle durch den Wald zum Kloster Engelsberg, dessen Wein- und Bierkeller es uns angetan haben. Mit unseren geschulterten Affen und dem Wimpel voran, poltern wir in die Klosterschänke. Ein Mönch hinter der Zapfanlage erkundigt sich gleich über Anzahl, das Woher und Wohin unseres Häufleins und dass wir doch Hunger und Durst haben müssten: ER habe ALLES!!
Herrlich frisches Gewürzbrot, Klosterkäse, Hausmacher und Rauchschinken, dazu dunkles Bier! Wir haben es genossen…. Doch leider war damit unsere kurze Fahrt vorbei.
Deutsche Freischar: Kohte und Kollenburg
tusk: Entwicklung der Kohte
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