Der Rover-Film

"Max und Moritz - eine Rovergeschichte"
Filmvorspann mit

Das bislang aufwändigste Projekt ist mit 9jähriger Entstehungsgeschichte der Roverfilm "Max & Moritz – eine Rovergeschichte". Ursprünglich aus einer Aschermittwoch-Bierlaune heraus und anlässlich der Anschaffung einer Video-Kamera war der Entschluß, einen Film zu drehen, kurzfristig gefaßt. Reifliche Überlegungen (und zwei Pils später) ließen uns in den beiden Wilhelm Busch Figuren gewisse Parallelen zu unseren eigenen turbulenten Jugendjahren erkennen. Mit überschäumender Begeisterung wurden Titel und Thema festgelegt. Entsprechend der Zeit in welcher wir leben (und nach weiteren 2 Pils) wurden auch die Charaktere der beiden Buben erörtert: sozial eher schwierig, ohne allzuviel Hemmungen, im gewissen Sinne heimtückisch. Sprachlich haben wir uns unserer "alten" aber auch der aktuellen Jugendsprache "bedient".

Dann begann die Arbeit. Ein Drehbuch mußte her. Ratte wurde zu einem Videokurs verpflichtet. Die Wilhelm Busch Geschichte wurde in Szene-Segmente zerpflückt. Bewegungsabläufe und Kameraführung waren zeichnerisch festzulegen. Schauspielrollen wurden verteilt, ein Sprecher mit honoriger Stimme ausgesucht und Texte minutiös festgelegt. Die benötigten weiblichen Rollen wurden durch Gäste (Ehefrauen) ergänzt. Das Finden geeigneter Drehorte (funktionierende Wassermühle, altes Fachwerkhaus mit gestampftem Lehmfußboden, antike Bäckerei, Brücke welche letzten Endes zersägt werden sollte etc. etc.) machte uns gehöriges Kopfzerbrechen. Requisiten wurden festgelegt, besorgt oder hergestellt.

Eine Liste des benötigten technischen Equipments wurde erstellt: Zweit-Camcorder, Beleuchtungs-einrichtungen, Kabeltrommeln, Strom-Generator, Mischpult, tragbarer Monitor, Kettensäge, Bauholz und ein halbprofessionelles Video-Schneidegerät wurden beschafft. Dabei sollte alles so wenig Geld wie nur möglich kosten. Verbindungen und Beziehungen spielten ein große Rolle bei der Beschaffung aller Utensilien.

Zur Beschaffung der Requisiten wurden regelrechte Bastelabende abgehalten. Kostüme für Hahn und Hennen wurden farbenprächtig aus Karton und Krepppapier hergestellt. Alte Schuhe wurden mit Autolack neu "gestyled". Für die Bäckerei mußte eine Konstruktion für eine Kamin-Esse ausgetüftelt werden. Für den Teigbottich (Bäckerszene) wurde ein großer Karton zur Abdichtung mit Folie ausgeschlagen und mit Holzmuster-Tapete auf "echt" getrimmt. Der Bottich sollte später mit 300 Liter Kleie-Maische gefüllt werden, um "sicher" den Sturz von Max & Moritz abzufangen. Die Kleie war wiederum ein Geschenk des Müllers, der uns im Odenwald seine Wassermühle freundlicherweise als Drehort zur Verfügung stellte. Übrigens die einzige funktionierende Wassermühle in unserer Umgebung. Ein Eck-Wand-Ofen wurde aus Latten, Karton, Tapete mit Backsteinmuster und Winkelteilen entworfen. Eine Infrarot-Lampe, gekoppelt mit einem Neonröhren-Starter ersetzte das flackernde Feuer. Schließlich wollten wir, daß das 300jährige Fachwerkhaus, in dessen Kellerräumen wir drehen durften nicht ein Opfer der Flammen wird!

Die Geschichte M&M besteht bekannternmaßen aus 7 Streichen/Kapiteln. Die Streiche wurden in Bewegungsabläufe zerstückelt und jede Szene 4-7 mal gedreht, bis wir von Kameraführung und Spielleistung überzeugt waren. Diese Fragmente sollten später mit 2 Recordern zusammen geschnitten und zusätzlich zum Originalton mit weiteren Tonspuren überlegt werden (Musik, Geräusche, Sprecher). Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, nicht unbedingt kapitelweise voranschreiten zu müssen. Der Nachteil besteht darin, daß mit dem Schneiden erst dann begonnen werden kann, wenn alle Teile lückenlos vorliegen. Bei unserem Tempo war das mehrere Jahre nach Drehbeginn der Fall! Unsere Befürchtung bestand unter anderem auch darin, daß uns in diesen Jahren die Technik überrollt könnte. In der Tat würden wir heute ein anderes Videosystem wählen, wahrscheinlich sogar nur noch digital arbeiten.

Kameramann
Kameramann
wasserfeste Technik
Technisches Aufgebot