7. Streich
Bauer Mecke

Als Austragungsort dieser Szene haben wir uns was ganz Besonderes einfallen lasse: Zufällig aus der Tageszeitung auf die einzige funktionstüchtige oberschächtige Wassermühle des Odenwaldes aufmerksam gemacht, wurde sofort ein Besuch zweier Alt-Rover anvisiert.

Der freundliche Mühlenbesitzer war bereit, uns die immer noch gut funktionierende Technik vorzuführen. Auf die Frage, ob wir denn hier mal filmen dürften, kam von ihm ein spontanes "Ja – warum denn net". Damit ihm auch unser laienhaftes Auftreten klar wird, wurde unsererseits noch mal verdeutlicht, daß wir weder vom ZDF noch von einem privatem Sender seien, und Geld hätten wir schon gar nicht. Ihm war das ziemlich egal. Als wir dann endlich ein Jahr später anrückten – zwischendurch mußten andere wichtige Dinge gefilmt werden – wurden wir wieder freundlich empfangen und sofort auf die Zeitnot des Müllers, der unbedingt noch was anderes zu erledigen hatte hingewiesen. Uns war das egal und auf die Frage, ob man uns allein lassen konnte antworteten wir: "Bei uns kommt nix weg. Mer klaue nix."
Doch das war knapp vorbei, die Frage zielte darauf ab, ob wir die Mühle alleine betreiben könnten!! Eine kurze Einweisung sollte genügen – es mußte halt immer wieder ein Doppelzentner Getreide in den Trichter! Kein Problem, versicherten wir, das schaffen wir schon. Der Müller geht, die Vorbereitungen laufen an. Ruckzuck ist der erste Doppelzentner im Trichter verschwunden. Im 20 Minutentakt etwa mußte nachgefüllt werden. Der Stress begann. Filmen und mit halbem Auge auf den leerlaufendem Trichter, denn Mühlsteine sind teuer, wenn sie sich durch Leerlaufen abnutzen. Nach mehreren Doppelzentnern hatten wir endlich unsere Filmsequenzen im Kasten, und der Müller kehrte von seinen Besorgungen zurück: "Oh Jesses nee ... was iss denn des" Was war passiert? Im Eifer des Gefechtes hatten wir zwar Doppelzentner um Doppelzentner in den Trichter geleert, aber nicht bedacht, daß sich ein Stockwerk weiter unten, wo Mahlwerk und Schüttelsieb arbeiteten, irgendetwas füllen, oder gar überlaufen konnte. Gottseidank hatte die Mühle eine Abschaltautomatik, aber ohne Last begannen Transmissionsriemen abzuspringen und das Mühlrad legte an Geschwindigkeit beachtlich zu! Also: Wasser umleiten, Mühlrad stilllegen, Transmissions-riemen anlegen, Wasser wieder zuführen ....

Doch nun zu den Dreharbeiten. Am Mühlendachboden wurden Getreidesäcke so präpariert, daß sie leicht mit einem Messer aufgeschlitzt werden konnten. Aus einem seitlich angebrachten Beutel konnten so ein paar Handvoll Getreidekörner rieseln. Der Rest des Sackes war mit Papier angefüllt. Glücklicherweise kam Bauer Mecke gerade noch rechtzeitig, sonst hätten M&M noch mehr Säcke aufgeschlitzt. Geschwind versteckten sich die beiden Bösewichter. Der Bauer hantiert mit den Säcken und stellt sofort fest, daß da was nicht stimmt. Es dauert nicht lange, und er hat die beiden entdeckt. Im Handgemenge werden sie eingeschaufelt und im Sack verschnürt. Das schwergewichtige Gebinde bestehend aus 2 Holzstangen, denen man Hosen und Stiefel von M&M übergezogen hat, wurde von Mecke zur Mühle verschleppt. Schimpfend unter der Last, zieht der Bauer am schmatzenden Mühlenrad vorbei. Am Tor ruft er: "Müller! He heran, mal er was er malen kann!". Dummerweise ist der richtige Müller noch da, steckt den Kopf heraus und frägt: "Was gibt's". Also alles noch mal von vorne.

Das Ende ist ja bekannt und schnell erzählt: Das Bündel wird zur Einfüllvorrichtung geschleppt und eingetrichtert. Aus dem Ratterkasten kommen M&M geschrotete hervor. Mittlerweile waren alle Transmissionsriemen abgesprungen und vom Filmteam wieder aufgezogen worden. Statt des Schrotes wurden wegen der besseren Größenverhältnisse Oblaten auf einer Wiese in Form der Umrisse von M&M ausgelegt und die Gänse darüber gejagt. Doch das wollte diesen nicht so recht schmecken. Na Ja, nach der Vorgeschichte!

Zum Schluß...

... darf die Moral nicht zu kurz kommen. Wilhelm Busch, an seiner Pfeife smokend, zieht Resümee erzählt die Konsequenzen, welche in seinem Buch dem Leser verschwiegen wurden:

"...Bauer Mecke und der Müller sitzen heute beide im Landesgefängnis; die Schule ist ohnen Lehrer und das Getreide müssen die Bauern jetzt 20 km weit ins nächste Dorf fahren!
Hat das alles müssen sein??"

Max & Moritz eingestiefelt
Film-Schneidewerkstatt
Technik im Outback