4. Streich
Schneider Böck

Schneider müssen in vergangen Tagen bemitleidenswerte Leute und arme Schlucker gewesen sein. Ein karges Auskommen, vielleicht eine Ziege im Garten (meck meck meck!!) waren das ganze Glück. Wenn man nicht zu allem Überfluss zur Zielscheibe des Spottes wird. So geschehen im 4. Kapitel:

M&M wollen eine Brücke präparieren und Böck in den Hinterhalt locken. Doch wo kann man schon ungestraft eine Flußbrücke ansägen und zum Einsturz bringen.
Nichts half: wir müssen eine eigene Brücke bauen. Doch zunächst muß im Odenwald ein geeigneter Bachlauf gefunden werden, der tief genug ist, daß sich Böck beim Sturz nicht verletzt (Dies und der Wunsch, diese Szene im Sommer zu drehen, waren einzige Bedingung des Freundes).

Beizeiten, d.h. im Winter machte sich eine Such-Patrouille auf den Weg. Nach einem Tag wurden wir mit einem schönen Bachlauf, fern störender Zivilisation belohnt. Wir freuten uns auf den Sommer. Im August sollte es soweit sein. Doch eine gewisse Ahnung trieb uns vor Drehbeginn dazu, sicherheitshalber nochmals nachzuschauen, ob auch alles so sei, wie winters vorgefunden. Der Wasserstand war noch o.k., doch Unmengen von Bremsen machten uns berechtigte Sorgen. Es mußte schnell eine Alternative gefunden werden, sollte der Termin nicht platzen.
2 km weiter – bachabwärts - wurde ein bremsenfreies Stück Wiese mit Bachanteil ausgemacht. Einziger Schönheitfehler war die Autobrücke in deutlicher Sichtweite. Auch daß die Wiese jemandem gehört, war anzunehmen. Eine Erlaubnis einzuhohlen wurde ohne Gefährdung des anvisierten Termines nicht mehr in Betracht gezogen. Außerdem: wer frägt, bekommt vielleicht negativen Bescheid. Jedenfalls: bei Komplikationen, kann man ja gegebenenfalls noch vor Ort verhandeln.

Gesagt, getan: Am nächsten Wochenende machen wir uns mit einem VW-Bus, Dachgepäckträger und jeder Menge Bauholz, Baudielen und diversen Pioniergeräten (Motorsäge, Schaufeln ...) auf den Weg. Die Arbeiten im Bachbett machten bei dem herrlichen Sommerwetter richtig Spaß. Die ungleichen Uferhöhen wurden links und rechts des Baches mit Schaufeln "auf Niveau" gebracht! Eine gespannte Schnur mit Wasserwaage war ein gutes Hilfsmittel. Aus mehreren hölzernen Diehlenböcken sind Brückenpfeiler errichtet worden. Wegen des Auftriebes verankerten wir sie mit schweren Steinen. Jeweils zwei Plankenreihen genügten, um innerhalb eines Vormittags eine stabile Brücke aufzubauen. Wir waren mächtig stolz auf uns und hatten das erste Bier bestimmt verdient.

Da kommt der Bauer! "Arbeitet mal weiter, laßt mich das mal machen!" waren meine Worte. Ich ging auf den Bauern zu. Der Bauer, auf die Wiese deutend: "Das sieht aus, als wär' ne Rotte Wildschweine da rüber!"
Ich: "mmh. Stimmt, sieht so aus"
Bauer: "Da kamm'mer mix mer machen. Das Gras is' hin"
Ich: "Dahinten kommt gleich ein Gewitter. Hernach steht das Gras wieder"
Bauer: "Es iss' nicht wegen mir, aber die Wies' ist verpachtet" und beginnt unsere Autonummer zu notieren. Ich: "Was haben Sie vor?"
Bauer. "Ich geh' jetzt zur Polizei"
Ich: "Wir drehen hier einen Film, die Wiese ist ideal für uns"
Bauer, interessiert: "Einen Film. Seid's Ihr vom Fernsehen?"
Ich: "Nein privat" Bauer: " So privat, seid's Ihr; Aber nix zahlen wollen für die Wiesen"
Ich " Was soll's denn kosten" Bauer: "Na, so 50 Mark"
Ich: "um Himmelswillen. 50 Mark; soviel hamm'er jetzt nicht dabei, geht's auch billiger?"

Wir haben uns dann schließlich auf 30 Mark geeinigt, und ausgehandelt, den ganzen Tag dableiben zu können (wir wollten noch Grillen, doch davon wurde dem Bauer lieber nichts verraten).
Ich: "Wollen Sie ein Bier trinken". Der Bauer taut spürbar auf und kommt erst jetzt näher heran.
Jetzt erst sieht er neben der Wiese die fertiggestellte Brückenkonstruktion: "Ja, was iss' den des?!!"
Ich: " Eine Brücke. Die kommt aber heute Abend wieder weg"
Bauer: " Warum denn weg? Die iss' doch gut"

Nach dieser kleinen Unterbrechung ging es dann zügig weiter. Das drohende Sommergewitter hat sich auch verzogen. Schneider Böck plumpste in voller Montur und im Laufschritt ins Wasser. Allerdings wurde er heute nicht mehr von Gänsen aus dem Wasser gezogen. Statt dessen kamen M&M vorbei und haben ihn nochmals kräftig "eingestiefelt".
Zur Erfrischung saß nachmittags die komplette Runde im Bachbett und wartete auf Bauchlappen, Würstchen und Steak.

Gute private Kontakte ermöglichten es uns, einen weiteren Teil der Szene Schneider Böck im Gottersdorfer Freilichtmuseum zu drehen. Einzige Bedingung: die Arbeiten mußten in der besuchsfreien Zeit, d.h. vor April abgeschlossen sein. An einem schönen Märztag war es dann soweit: mit viel Trara und großem Bahnhof kamen wir in Gottersdorf an. Gerade Rechtzeitig, um an einer Party der Gottersdorfer "Jugend" im sogenannten Rathaus teilzunehmen. Neben dem Genuß von Bier konnten wir uns auch intensiv dem Studium der örtlichen Akten hingeben.
Anderntags gings dann richtig los mit den Dreharbeiten. Weil wir neben der Innenaufnahmen auch von außen filmen wollten, war es zunächst nötig die zum Fassadenschutz angebrachte Winterverkleidung abzunehmen und nach getaner Arbeit wieder fachmännisch anzubringen.. Im "Tagelöhner-Haus" des Freilichtmuseums wohnten ab sofort die Eheleute Böck. Die Dreharbeiten begannen und konnten sehr zügig abgeschlossen werden, dank der überzeugenden Rolle Böck's Ehefrau, welche mit einem alten Bügeleisen und flotter Sprüche den Meister wieder auf Trapp brachte.

Auf der Rückreise hatten wir noch genügend Luft einen kleinen Abstecher zu unternehmen. Immer an bizarren Dingen interessiert, rollte unser VW-Bus an einem Areal verlassen aussehender Industrie-Ruinen vorbei. Die Lagerschuppen gehörten einem bekannten, mittlerweile liquidierten Zirkusunternehmen. Alles stand offen und war irgendwie einladend. Es roch nach Raubtier und Elefantenschweiß. Was gab es da alles zu finden: daumendicke Raubtierketten, eine Sackkarre, welche den Besitzer wechselte und Kleie: Ja – Kleie. das konnten wir sackweise gebrauchen für den Teig-Ersatz in der späteren Bäckerszene. Aber davon im nächsten Jahr.

Sicherheit am Arbeitsplatz (
Schneider Meck
Skizze
Motivations-Pause
Schneider Meck
Bier-Pause