Rafting - Schlauchboot-Touren

Es fing ursprünglich recht harmlos an: mit geliehenen Schlauchbooten aus dem Pfadfinderstamm wurden die ersten Erfahrungen auf sogenannten zahm-Flüssen wie oberer Neckar, Lahn und Wörnitz gemacht. Diese Wald- und Wiesenflüsse sind ausgesprochen gemütliche Gewässer und für kleine Wochenend-Touren wegen ihrer Nähe auch heute noch beliebt. Doch mit dem ersten Wildwasser-Erlebnis hatten wir Blut geleckt und kommen heute nicht mehr davon los. Kurzerhand wurde eine Interessensgemeinschaft gegründet, Geld gesammelt und gespart. In kurzer Zeit hatten wir erst ein, dann zwei Boote gekauft. Weiteres Geld wurde in die Anschaffung einer transportablen Küche und einer selbstgezimmerten Materialkiste investiert. Ein gebrauchtes Zelt wurde angeschafft und später durch ein geräumiges Gruppenzelt ersetzt. So haben wir uns in wenigen Jahren eine komfortable Ausrüstung geschaffen, mit der wir jederzeit und sofort losziehen können.

Die erste richtige Wildwasserfahrt haben wir bei einsetzender Schneeschmelze im Hochschwarzwald auf der Wutach unternommen. Das normalerweise gutmütige Flüßchen zieht seine Bahnen durch tiefe Schluchtwälder und an imposanten Felswänden vorbei. Damals im März, kurz nach der Schneeschmelze, war der Fluß alles andere als gutmütig. Die am Ufer entlang laufenden Wanderwege waren überflutet, das Wasser verließ sein altes Bett und rauschte teilweise durch den Wald. Jeder vernünftige Mensch hätte es sein lassen: wir aber wollten es genau wissen. Mit wasserdichtem Overall und Helmen ausgerüstet, wagten wir das Abenteuer. Die Helme erwiesen sich als notwendige Ausrüstung, immer wieder streiften wir Äste, Felsen, Bäume. Und das bei rasantem Tempo! In einer Stromschnelle verkeilte sich eines unserer beiden Boote. Wasser drang vom Heck her ein und schoß am Bug wieder heraus: Wie eine gigantische Toilettenspülung! Schnell wurden die Ersatzpaddel festgehalten, der Sack mit Kamera und anderen Wertgegenständen war Gottseidank festgebunden. Mithilfe der Stechpaddel konnten wir uns nicht unter den Felsbrocken loshebeln. Einer mußte raus! Raus auf einen Felsbrocken, von außen das Boot vom Felsen loshebeln, und schnell wieder ins Boot zurückspringen, wenn es wieder Fahrt aufnimmt. Ein gewagtes Unterfangen! Aber es hat geklappt. Vollgelaufen mit Wasser versuchten wir hinter der Stromschnelle das Ufer zu erreichen. Nicht einfach, hat unser Gewicht nun um ca. eine Tonne zugenommen. Nach Ausschöpfen des Wassers und einer kurzen Pause, ging es gleich weiter - hinein ins nächste Abenteuer. Mittlerweile hat Schneefall eingesetzt. In einer S-Kurve war es dann soweit: unterspülte und umgestürzte Bäume versperrten den Flußlauf. Die Stelle war kaum einzusehen - und schon war es zu spät. Das erste Boot legte sich quer zur Barriere und klappte unter der Besatzung weg. Diese konnte sich mit einem gewagten Sprung gerade noch auf den aus dem Wasser ragenden Wurzelteller retten. Das Boot lag quer zum Fluß, die Wassermassen pressten es unter die Barriere aus Stämmen und Ästen. Keine Chance für das Boot? Es mußte eine Lösung geben, denn auf der Wurzel waren wir Gefangene - keine Chance ans Ufer zu kommen! Zu reißend war der Fluß! Ein mutiger Rover tastet sich, auf den quer liegenden Stämmen bis zum Boot vor. Tonnenschwer vom Wasserdruck lag es unbewegbar in den Fluten. Da ein Ruck! Die Barriere droht einzustürzen, eine brenzlige Situation! Das Boot mit dem Messer abstechen? Unschlüssige Diskussion oben auf dem Wurzelteller. Mit einem Trick aus der physikalischen Kiste gelang es uns doch, das Boot langsam vom Wasserdruck zu befreien. Wir hatten Glück, daß die Barriere hielt, sie war zwar einen halben Meter tief abgesackt, hat uns aber dennoch ausgehalten. Einer fiel bei der Bergungsaktion ins eiskalte Wasser, doch die Fahrt mußte weitergehen. Aus der Schlucht gibt es kein Entkommen. Noch weitere 3 Stunden Fahrt, an Felsen vorbei unter denen das Wutachwasser unterirdisch und hörbar gurgelnd verschwand. Wir mußten höllisch aufpassen, daß es uns da nicht hineinzog! Endlich hatten wir es geschafft! Die Schlucht öffnet sich, abgekämpft ziehen wir unsere Boote ans Ufer. Das Begleitfahrzeug, wartete schon ungeduldig. Es beginnt zu tauen.

Wildwassertouren der Schwierigkeitsgrade II und III folgten auf den Flüßchen Loisach und Ammer. In Frankreich jedoch fanden wir das, was wir schon lange suchten:

Die Loire ist der längste naturbelassene Flußlauf Europas. Sein Oberlauf hat die Schwierigkeitsgrade II, III, IV, V und unbefahrbar. Von Arlempdes aus startend, sind wir bis heute durch alle Basalt-Schluchten (gorges) hindurch, jeden Grad meisternd (auch das als unbefahrbar geltende Stück), jedoch verdanken wir diesem Fluß auch unsere ersten grauen Haare. Die erste Tour hätte auch schon die letzte sein können: nach bewegter Fahrt kam jener Streckenabschnitt auf uns zu, von dem wir wußten, daß er als gefährlich einzustufen sei. Die reißende Strömung und die steilen Basaltfelsen machten ein Anhalten und Aussteigen unmöglich. Prinzipiell sind unsere Boote schon in der Lage, einen kleinen Wasserfall zu meistern. Doch diesmal hatten wir Pech! Ein großer Felsbrocken an der Abbruchkante wurde von uns gestriffen, so daß das Boot sich in der Luft drehte und in einer einzigartigen Schraubbewegung in die Tiefe ging. Der Strudel an der Aufprallstelle machte uns gehörig zu schaffen. Einer wurde weggeschwemmt, ein zweiter Freund hat sich mit den Füßen im Halteseil verheddert, konnte sich jedoch am Sitzbrett des umgestüzten Bootes und in der Luftblase leidlich halten. Mich selbst spülte es zunächst in eine Unterwasserhöhle aus der ich mich befreien konnte. Die gewaltige Unterwasserströmung ausnützend, versuchte ich den Wasserfall zu untertauchen, in der Hoffnung irgendwo angespült zu werden. Unter dem Fall mußte ich jedoch zwangsläufig einen Blick nach oben riskieren, war ich mir doch bewußt, wohl selten in meinem Leben wieder ein solches Schauspiel erleben zu können. Um mich herum diese Dunkelheit, da oben das kristallgrüne Wasser des Falls, daneben die Farben des umgestürzten Bootes, Bibers gefesselten Füße! Wie tief ich wohl sein mochte? Es klingelt in den Ohren: 4-5 Meter mutmaße ich. Eigentlich müßte man das mit der Kamera festhalten! Schnell die Spiegelreflex aus der Umhängetasche gerissen: doch schade - es ist zu dunkel! Blitz!!! Doch halte ein - spricht die Stimme der Vernunft, pack die Kamera wieder ein und sehe zu, daß du nach oben kommst. Auch wenn man es aus heutiger Sicht kaum mehr nachvollziehen kann, es war ein bestimmtes Glücksgefühl mit dabei im Spiel.
Dank unserer Schwimmwesten ist keinem ernsthaft was geschehen. Außer dem Verlust von einigen Paddeln, Gummistiefeln etc. war nichts zu beklagen. Aus der Kamera tropfen Wasser und gelbliches Öl. Unser zweites Boot hatte mehr Glück, es hat den Fall in einem galanten Sprung gemeistert.

Wutach-Team
Wutach 1
Wutach 2
Wutach Havarie
Loire  (1993)
einkalkulierte Verluste
Loire 1993
Wörnitz
Moldau
Moldau
Loire 1993 und 1998
Wildwasser III Loire Wildwasser IV Loire Loire Rast