Donon 2004
Erlebnis einer Sturmnacht
Mit 100 km/h pfeift heulend der Sturm über die ungeschützte Felsenplatte hinweg…. Im Schlafsack liegend, kralle ich mich an den Ritzen der Steinblöcke fest, welche den Fußboden jenes keltisch/römischen Heiligtums bilden, das den Gipfel des elsässischen Berges Donon in 1009 Metern Höhe krönt. Es ist stockfinstere Nacht und ich erkenne durch den peitschenden Regen nur undeutlich die Lichter der fern liegenden Gehöfte und Dörfer unter uns.
Das Thermometer sank auf unwirtliche +1°C und der eiskalte Regen schießt durch die Säulen des allseits geöffneten Gebäudes. Ich liege genau in der Mitte des Tempelchens, doch das Wasser erreicht mich von allen Seiten; es prasselt in dicken Tropfen von oben, aus den Ritzen des steinernen Daches herunter - Sturzbäche spülen sich entlang der Säulen nach unten. Eine dicke Bundeswehrplane schützt meinen Schlafsack notdürftig, und obwohl ich mich darin eingerollt habe, gelingt es dem Sturmwind immer wieder, sie beiseite zu ziehen. Ich spüre die Nässe, wie sie vom Fußteil in den Schlafsack kriecht …
Hinter der Säule liegen 2 Kameraden: ich höre das metallische Aufschlagen der Ösen ihrer sturmgepeitschten Planen, alleiniger Schutz vor den Unbilden der wild gewordenen Natur. Was für ein Wahnsinn: trocken könnten wir in einer Kammer mittelalterlicher Burgruinen liegen, doch zu verlockend war der Gedanke, hier, hoch über den Vogesen diese Aprilnacht zu verbringen, wo vor 1700 Jahren noch Druiden ihre Rituale zelebrierten.
Stunden schon ist es her, dass wir im Abenddämmern den Aufstieg durch den steinigen Wald wagten; zuerst im Windschatten, dann über den stürmischen Sattel. Doch was dann hier droben geschah, spottet jeder Beschreibung: Windböen schieben Ausrüstungsgegenstände über den Fels, zerren an Rucksäcken und Ausrüstung. Schlafsäcke, Planen und Matten würden sich im weiten Bogen verabschieden, sobald man sie verlässt …. Wohl dem, wer diese Nacht eine ausdauernde Blase sein Eigen nennt. Stundenlang toben die Elemente um uns herum - das Zeitgefühl ist schon gänzlich abhanden.
Doch irgendwann: Ruhe!  
Verunsichert blickt man nach draußen: Morgendämmerung. Nebel hüllt die Bergkuppe ein… Eine erste Augenscheinnahme beruhigt die Nerven: alles scheint noch da zu sein - Planen, Rucksack, Kameraausrüstung. Dahinjagende Nebelschwaden beginnt sich zaghart zu lichten und unwirklich wirkendes Sonnenlicht lässt das kleine Massiv erstrahlen. Wir haben es mal wieder geschafft: uns den Kräften der Natur zu stellen, durchzuhalten und die Situation zu meistern …. Was wird uns der neue Tag bringen?